Unkonventionell Kapitel 1

Finn

„Wann sagst du deinem Daddy, dass ihr zusammenziehen wollt?“ An manchen Tagen konnte ich einfach nicht widerstehen, Ryland aufzuziehen.

„Was?“ Er setzte sich senkrecht im Bett auf, Augen und Mund weit aufgerissen.

Mir mit ihm ein Zimmer zu teilen, funktionierte besser, als ich erwartet hatte, was wahrscheinlich daran lag, dass Ryland viel Zeit mit Holden verbrachte und bei ihm übernachtete. Wenn wir anfingen, uns auf den Keks zu gehen, packte er ein paar Sachen und verschwand für einen Tag oder sogar das ganze Wochenende zu Holden. Das war perfekt.

Wenn er tatsächlich Ausziehen würde, um mit Holden zusammenzuleben, würde ich ihn total vermissen. Aber die beiden passten perfekt zusammen. Von daher würde es wohl früher oder später passieren.

„Sieh mich nicht so entsetzt an. Wir wissen doch beide, dass du das willst.“ Ryland schüttelte den Kopf, doch es sah aus, als wäre die Verneinung ein Reflex und nicht das, was er tatsächlich wollte.

„Aber … er …“ Ryland blinzelte, griff nach seinem Handy und schaute auf die Uhrzeit. „Ähm … ich muss gleich zum Unterricht.“

Den Unterricht als Ausrede zu nutzen, um sich vor dem Gespräch zu drücken, war süß. Ich hatte das Thema absichtlich angesprochen, um ihn aus der Reserve zu locken.

„Ich bin mir sicher, dass du ein paar Minuten Zeit zum Reden hast. Ich sehe dich so gut wie gar nicht mehr, weil du ständig bei deinem Daddy übernachtest.“

Eine leichte Röte überzog Rylands Gesicht. Doch das war kein Vergleich zu damals, als Holden sein Daddy geworden war. „Quatsch. Wir haben gestern Abend zusammen abgehangen.“

„Und den heutigen Abend verbringst du mit deinem Daddy?“

Ryland ließ sich zurück aufs Bett fallen und stöhnte. „Du versuchst nur, mich heute Morgen verrückt zu machen.“

Yep. Eins zu null für ihn.

„Du hast mir ein wildes Jahr voller Ausschweifungen versprochen, und dann lässt du mich für irgendeinen anderen Kerl sitzen.“ Ich seufzte theatralisch, musste aber lachen, als er schnaubte.

„Lügner.“ Er rollte sich auf die Seite und stützte den Kopf auf einen Arm. „Das habe ich nie versprochen. Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich bloß gesagt, dass ich mit dir in einen Club gehe, solange du mich nicht zwingst, zu tanzen oder mit jemandem zu reden. Und nur fürs Protokoll, er ist nicht irgendein Typ; das klingt einfach falsch.“

„Ich werde dich nicht aus deinem Versprechen entlassen, mit mir in einen Club zu gehen. Nur weil du verliebt bist, heißt das nicht, dass du dich davor drücken kannst.“ Holden würde es nichts ausmachen. Zumal ich nicht vorhatte, Ryland an meinem Club-Abend in eine Bar voller Fremder zu schleppen, die auf der Suche nach einem One-Night-Stand waren. Wahrscheinlich würde Rylands Daddy uns sogar begleiten.

Ryland sah mich skeptisch an. „Ich weiß nicht … Holden …“

„– hätte nichts dagegen und das weißt du“, beendete ich den Satz. „Er möchte, dass du deine College-Zeit genießt“ Ich vermutete, dass das der Hauptgrund war, warum Holden Ryland nicht bat, bei ihm einzuziehen. Obwohl Holden ihm deutlich zeigte, dass er sich durch ihre Beziehung nicht eingeengt fühlte und er sich gerne um Ryland und seine Bedürfnisse kümmerte, gab er sich gleichzeitig große Mühe, dafür zu sorgen, dass Ryland selbst entscheiden konnte, wie viel Kontrolle er Holden überließ.

Ein schwaches Lächeln erschien auf Rylands Gesicht und ein entrückter Ausdruck trat in seine Augen. „Das tut er. Er stellt mich immer an erste Stelle.“ Ryland runzelte die Stirn. „Ich wünschte nur, andere Menschen in meinem Leben würden ebenfalls respektieren, was ich will.“

Er seufzte, rollte sich auf den Rücken und starrte die Decke an. „Das klingt ganz schön egoistisch, oder? Ich meine, eigentlich kann ich mich glücklich schätzen, weil ich dich und Holden habe. Ihr beide wollt immer, dass ich glücklich bin. Ist es schlimm, dass es mich frustriert, dass meine Eltern meine Wünsche überhaupt nicht interessieren?“

Nein, das war überhaupt nicht schlimm. Vielmehr wurde es langsam Zeit, dass er aufbegehrte. Aber ich würde mich hüten, das laut auszusprechen, weil ich Ryland nicht unter Druck setzen wollte. „Ich verstehe deinen Frust. Deine Mutter ist sehr festgefahren in ihrer Meinung und der Art wie sie dich sieht.“

In Wahrheit war sie eine verrückte alte Schachtel, die sauer war, dass nicht sie, sondern Holden bei Ryland an erster Stelle stand.

Doch die Frau war nicht dumm. Als sie merkte, dass weder ihr Intervenieren noch Holden die kalte Schulter zu zeigen, diesen verjagen oder Ryland dazu bringen würde, ihn zu verlassen, hielt sie sich zurück. Allerdings dachte ich, dass es sich dabei eher um einen strategischen Rückzug handelte, damit sie sich eine andere Strategie ausdenken konnte und nicht um eine nette Geste ihrerseits.

„Dann bin ich also nicht … gierig?“

Es war traurig, dass er sich Sorgen machte, gierig zu sein, wo er doch nur wollte, dass seine Mutter sich für ihn freute. „Nein. Ganz und gar nicht. Du bist nicht gierig und der Fehler liegt eindeutig im Verhalten deiner Mutter.“

„Deine Mutter ist immer so hilfsbereit.“ Ryland rollte sich wieder auf die Seite und sah mich an. „Wie geht es deinem kleinen Bruder?“

Weil er seine Zeit zwischen Unterricht, Holden und seinen eigenen Eltern aufteilte, war Ryland in letzter Zeit nicht mehr bei uns zu Hause gewesen. „Gut, er kann mittlerweile aufrecht sitzen und sieht jeden Tag weniger wie ein Baby aus. Jedes Mal, wenn ich Mom sehe, beschwert sie sich darüber, dass er bald anfängt zu laufen.“

Ryland gluckste. „Deine Mutter ist so witzig.“

Ryland mochte meine Mutter witzig finden, aber er war ja auch nicht ihr Sohn. „Versuch du mal, mit dem Irrsinn klarzukommen. Ich bin so froh, dass ich nicht mehr zu Hause wohne.“

Ich liebte meine Familie, aber ich empfand es als Geschenk des Himmels, Zeit für mich und ein gewisses Maß an Privatsphäre zu haben. Es war nicht so, dass ich ein ausschweifendes Partyleben führte und das Beste daraus machte. Nein, die Verabredungen waren langsam zum Stillstand gekommen, weil jemand Neues meine Aufmerksamkeit erregt hatte.

Na ja, er war nicht ganz neu.

„Da stimme ich dir zu.“ Ryland mochte die grenzenlose Freiheit, weg von seinen Eltern zu sein, gegen ein Leben mit Holden eingetauscht haben, aber es war klar, dass er diese Entscheidung nicht bereute.

„Wenn du noch zu Hause wohnen würdest, würdest du direkt neben Holden wohnen und müsstest nur die Einfahrt überqueren, um ihn zu sehen.“

Ryland stieß ein trockenes Lachen aus. „Glaubst du wirklich, meine Mutter würde es mir so leicht machen?“

Das würde sie mit Sicherheit nicht. In der Hoffnung, dass seine Eltern nicht merkten, dass er bei Holden war, hatte Ryland sein Auto sogar in dessen Garage geparkt. Lächelnd kletterte ich aus dem Bett und ging hinüber zu der Kaffeemaschine, die auf einer Kommode neben dem kleinen Fernseher stand. „Nein, sie würde dich wahrscheinlich in dein Zimmer sperren und du würdest dich in Rapunzel oder so verwandeln und wir würden dich rausholen müssen.

Kichernd nickte er. Er warf einen sehnsüchtigen Blick auf meine Kaffeetasse, die sich langsam füllte. „Du liebst mich, nicht wahr?“

„Mach dir deinen eigenen Kaffee, Schnorrer. Ich bin nicht dein Daddy-Schrägstrich-fester-Freund.“

Ryland errötete und stöhnte. „Holden macht mir nie Kaffee. Er sagt, Kaffee sei schlecht für mich und würde mich nur aufputschen und ich solle stattdessen mehr schlafen.“

Die beiden waren echt ein putziges Paar.

Ich nahm meine Tasse mit zum Bett und setzte mich hin. „Wenn du nicht zu spät zum Unterricht erscheinen willst, solltest du besser aufstehen, Faulpelz. Ansonsten wirst du auf deine nötige Koffeindosis verzichten müssen.“

Ryland setzte sich stöhnend auf. „Ich kann die Herbstferien kaum erwarten.“

Lachend nahm ich noch einen Schluck von meinem Kaffee und stellte die Tasse auf dem Regal neben dem Bett ab. Das Zimmer war klein. Es gab zwei Einzelbetten an der Wand, die durch ein niedriges Regal getrennt waren, aber wir hatten unser Bestes getan, damit unser Zusammenleben funktionierte. „Gib zu, dass es dir nur darum geht, eine ganze Woche mit deinem Daddy zu verbringen.“

Erneut wurden seine Wangen rot. „Ich … Wir …“ Er wandte sich schnell ab und ging zur Kommode hinüber. Die paar Schritte bis dorthin reichten allerdings nicht aus, um sich eine passende Antwort zu überlegen.

Da ich wusste, dass es für ihn leichter fiel, mir etwas zu sagen, wenn er mich nicht ansah, wartete ich geduldig. Das war etwas, worin ich im Laufe der Jahre gut geworden war. Ryland wühlte umständlich in den Schubladen, wodurch es viel länger, als nötig dauerte, ein Shirt zu finden.

Er atmete hörbar tief ein. Ich versuchte, nicht zu lächeln. „Wir wollen austesten, wie es für mich ist, ein paar Tage lang Little zu sein, anstatt nur ein paar Stunden.“

Das war längst überfällig.

„Ich glaube, es wird dir gefallen. Was hält Holden davon?“ Wahrscheinlich war er von der Idee begeistert.

Ryland hatte Angst, Holdens Leben zu sehr, zu vereinnahmen, doch sein Daddy liebte es, sich um seinen Jungen zu kümmern und ihm zu geben, was er brauchte. Ryland schloss die Kommodenschublade, warf das Shirt aufs Bett und ging zur Kaffeemaschine hinüber. „Er glaubt, dass es Spaß machen wird.“

„Was für Regeln wollt ihr denn aufstellen? Wenn ich euch anrufe, geht ihr dann an eure Handys oder wollt ihr euch komplett abschotten?“ Ryland hatte mir bis jetzt nicht erlaubt, ihn als Little zu sehen.

Die Vorstellung, dass ich ihn als Little sehen könnte, versetzte ihn in Panik. Ich nahm an, dass er Angst vor meiner Reaktion hatte. Ich wusste, dass es unsere Freundschaft nicht verändern oder beeinflussen würde. Ich wollte nur, dass er glücklich war und sich wohlfühlte, sodass ich es nicht vor jemandem verheimlichen musste, mit dem ich vielleicht irgendwann eine Beziehung führen würde.

Es gab eine lange Pause, die immer länger wurde. Ich wollte ihn nicht drängen, aber ich hatte das Gefühl, dass ich wusste, was Holden denken würde. Ryland schüttete sich eine Tasse Kaffee ein und zuckte schließlich mit den Schultern. „Ich weiß es nicht.“

Okay, das war kein Ich schotte mich ab und will keinen Kontakt zu dir. Das war ein großer Fortschritt. Ich ging zu ihm hinüber, legte einen Arm um seine Schultern und zog ihn an mich. „Danke, Ry.“

Er wurde wieder rot, lehnte sich aber in meine Umarmung.

Ich wusste, dass ihm verrückte Dinge durch den Kopf gingen, was alles passieren könnte, wenn ich ihn als Little sah. Aber das war etwas, das er mit sich selbst oder mithilfe seines Daddys klären musste. Wenn ich mich in diesen Teil seines Lebens drängte, würde es ihm nur noch schwerer fallen herauszufinden, was er wollte.

Ich nahm den Arm von seinen Schultern, damit er seinen Kaffee trinken konnte, und fing an, im Zimmer herumzulaufen, um meine Sachen zusammenzusuchen. Mein Tag war zwar nicht so hektisch wie seiner, aber ich musste noch ein paar Dinge vor dem Nachmittagsunterricht erledigen. Als Ryland seinen Kaffee getrunken hatte, war er immer noch nicht ausgeflippt, weil ich ihn womöglich in naher Zukunft als Little sehen würde. Ich schnappte mir meine Sachen und machte mich fertig.

Ryland fing an zu lachen, als ich mich auszog. „Jetzt muss ich Daddy sagen, dass ich ein unartiger Junge war, weil ich jemand anderen nackt gesehen habe. Danke.“

„Gern geschehen.“ Ich wackelte mit meinem nackten Hintern. „Wenn du Glück hast, spankt er dir vielleicht den Hintern, weil du ein unartiger Junge warst.“

Während ich mich eilig anzog, murmelte Ryland, dass ich ihn in den Wahnsinn trieb. Wir hatten schon als Kinder regelmäßig bei dem jeweils anderen übernachtet, und er hatte mich schon unzählige Male nackt gesehen. Das war eines der Dinge, die unser Zusammenleben im College-Wohnheim leicht machten. Er war fast allen Menschen gegenüber schüchtern. Holden und ich waren die einzigen Ausnahmen, daher brauchte ich mir keine Sorgen zu machen, dass ich ihn wegen etwas so Einfachem, wie mich vor ihm an- oder auszuziehen, verunsichern würde.

Ich kannte jemanden aus dem ersten Studienjahr, der einen Mitbewohner hatte, der so schüchtern war, dass er sich im Schrank umzog, wenn ihm nicht genug Zeit blieb, um zu den Umkleidekabinen in den Duschräumen zu gehen. Mein Bekannter war nicht einmal schwul, aber ihm kam das alles so seltsam vor, dass er sich nicht mal traute, seinen Mitbewohner deswegen anzusprechen.

Ryland ignorierte meine Sticheleien und begann sich ebenfalls anzuziehen. Als er sich das Shirt über den Kopf zog, schien er sich an etwas zu erinnern. „Oh, Daddy wollte wissen, ob du am Wochenende zum Essen vorbeikommen möchtest.“

„Kocht er selbst?“ Nicht, dass es einen Unterschied machte. Auch wenn es sich um ein Essen vom Lieferservice handelte, wäre meine Antwort ein klares Ja. Aber ein selbst gekochtes Essen, das nicht mit einem schreienden Baby und neugierigen Eltern verbunden war, wäre himmlisch.

„Ja, er macht Lasagne.“

„Sag mir einfach, wann ich kommen soll, und ich werde da sein.“ Es gab immer endlos viel Schulstoff zu lernen, aber einen Abend mit ihnen zu verbringen, wäre eine nette Abwechslung. Außerdem könnte ich so testen, was Holden davon hielt, dass ich Zeit mit Ryland verbrachte, wenn dieser ein Little war.

Ryland warf mir einen schüchternen Blick zu, bevor er wegschaute. „Ich war mir nicht sicher, ob du anderweitig verplant bist.“

Ich grinste. „Momentan bin ich nach wie vor Single, wenn es das ist, was du wissen willst.“ Ryland zuckte mit den Schultern, als wäre es nur eine beiläufige Frage gewesen, aber ich wusste es besser, also fuhr ich fort: „Ich habe diesen Typen ein paar Mal getroffen, aber es hat nicht funktioniert.“

Er war ungeoutet und hatte nicht vor, das in naher Zukunft zu ändern und außerdem gab es da jemanden, auf den ich ein Auge geworfen hatte.

Wenn Mr. Ungeoutet mein Mr. Right gewesen wäre, hätte ich gewartet, bis er bereit war, sich zu seiner Homosexualität zu bekennen. Es ging mir nicht darum, eine Beziehung zur Schau zu stellen, aber der Stress, sie geheim zu halten, und die Tatsache, dass er mehr Vanilla war, als er ursprünglich angedeutet hatte, waren meine Hauptgründe, die Beziehung zu beenden. Zu einer guten, erfüllenden Beziehung gehörte es einfach, dass man rundum kompatibel war und gleiche Neigungen und Interessen hatte.

Ryland runzelte die Stirn. „Das tut mir leid.“ Er kam zu mir und umarmte mich. „Irgendwann wirst du jemanden finden, der perfekt zu dir passt.“

„Danke.“ Ich drückte ihn kurz fest an mich und ließ ihn dann los, damit er sich fertig machen konnte. „Er war sehr Vanilla. Ich habe ihn in einer Online-Gruppe kennengelernt und er hat angedeutet, dass er neugierig ist auf –“

Ryland steckte sich die Finger in die Ohren. „La la la la.“

Lachend hörte ich auf, ihn zu ärgern. „Du kannst aufhören, einen auf Vogel-Strauß zu machen und die Finger aus den Ohren nehmen.“

„Nein, danke. Ich mag es, in gewissen sehr privaten Dingen im Unklaren zu sein.“ Trotz seiner Worte sah er mich nachdenklich an.

Er war vielleicht nicht bereit es zuzugeben, aber er wurde langsam neugierig. Es gefiel mir, dass seine Beziehung zu Holden ihn aus seinem Schneckenhaus geholt hatte. Ich hatte ihn oft gedrängt, aus seiner Komfortzone herauszukommen, doch gleichzeitig wollte ich ihn vor allem beschützen, bei dem er sich unkomfortabel fühlte.

Jetzt war er so weit, dass er von sich aus Interesse zeigte. Das war ein großer Schritt in die richtige Richtung.

Ich fühlte mich wie ein Elternteil, dessen Kind endlich erwachsen geworden war. Na ja, sein Erwachsenwerden hatte dazu geführt, dass er erkannte, dass er ein Little sein wollte.

„Wenn du den Kopf in den Sand steckst, beziehungsweise dir die Ohren zuhältst, verpasst du allerdings all die schönen Details.“ Nicht, dass ich viel zu erzählen hätte.

Ich war nie so ahnungslos gewesen wie Ryland, was meine sexuelle Neigung anging, aber das bedeutete nicht, dass es einfach gewesen war herauszufinden, wie ich tickte. Zu wissen, was man wollte, öffnete nicht auf magische Weise das Tor für unendlich viele Gelegenheiten, diese Vorliebe zu praktizieren. Und es beamte auch automatisch nicht Mr. Right in mein Leben … Zumal ich eh überzeugt war, dass der sogenannte Mr. Right vom Aussterben bedroht war.

„Verschone mich bitte mit Details.“ Ryland schüttelte den Kopf.

Er besaß diese seltsame Kombination aus Unschuld und Sex-Appeal, mit der er nie etwas anzufangen gewusst hatte. Nicht, dass er es überhaupt gewollt hätte.

Ich wackelte mit den Augenbrauen. „Eines Tages werde ich dir alle Details brühwarm und ausführlich erzählen.“

„Diese Drohung offenbart deine gemeine Ader.“

Ich konnte nicht anders, als schallend zu lachen. Als ich mich einigermaßen unter Kontrolle hatte, stellte ich mich vor ihn und strich ihm mit der Hand über den Kopf, als wäre er ein Welpe. „Eines Tages wirst du so neugierig sein, dass du alles bis ins kleinste Detail hören willst.“

Hoffentlich bekam er keinen Herzinfarkt.

„Daddy hat gesagt, ich muss nichts wissen, was ich nicht wissen will.“ Er streckte mir die Zunge heraus.

„Du bist so verwöhnt.“

Er lächelte und nickte. Als er den Mund öffnete, um zu antworten, zeigte ich auf sein Handy. „Wenn du dich nicht beeilst, kommst du zu spät zum Unterricht.“

Er seufzte und runzelte die Stirn. „Wieso ist es schon so spät?“

„Das könnte daran liegen, dass du ein Dutzend Mal auf die Schlummertaste gedrückt hast.“ Okay, das war ein bisschen übertrieben. Sein Wecker war genau viermal gegangen. Da ich bereits wach und aufgestanden war, hatte es mich nicht gestört. Doch ich würde ihn nie absichtlich verschlafen lassen.

Ryland schimpfte weiter über Stundenpläne und blöde Frühkurse, während er sich ankleidete und gleichzeitig versuchte, seinen Kaffee zu trinken.

„Beeil dich, sonst sage ich deinem Daddy, dass du wieder nicht rechtzeitig aufgestanden bist, um zu frühstücken.“

Ryland warf mir einen bösen Blick zu. „Du bist manchmal so gemein.“

„Ich bin nicht derjenige, der verschlafen hat.“

„Aber du bist derjenige, der mich mit diesem blöden Film wachgehalten hat. Also ist es nicht meine Schuld.“ Zufrieden, dass er keinen Ärger bekommen konnte, nahm Ryland noch einen großen Schluck von dem Kaffee, bevor er sich auf die Suche nach seinen Schuhen machte.

Da er durchaus in der Lage war, sich zu beeilen, wenn es kurz vor knapp war, schaffte er es tatsächlich, sich rechtzeitig auf den Weg zu machen.

Ich trank in Ruhe meinen Kaffee aus und verließ kurz nach Ryland unser Zimmer, obwohl ich im Gegensatz zu ihm, erst in einigen Stunden bei meiner ersten Vorlesung des Tages sein musste. Aber ich musste noch eine Besorgung machen, und die musste perfekt getimt sein.

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Auch wenn man sagt, dass die Neugierde der Katze Tod ist, kann die Neugierde manchmal auch den eigenen Horizont erweitern und einem eine ganz neue Welt mit vielen Möglichkeiten eröffnen.

Finn wusste schon sehr früh, dass er auf BDSM steht und ein Dom sein möchte.

Als er einem ganz bestimmten Englisch-Professor zum ersten Mal begegnet, fühlt er sich sofort zu dem älteren Mann hingezogen. Leider ist Professor Sexy – wie er von seinen Studenten genannt wird, sehr verschlossen, was sein Privatleben angeht.

Obwohl er ein junger, unerfahrener Dom ist, weiß Finn, dass er es langsam angehen und sich Becketts Vertrauen verdienen muss. Der Weg, den Finn wählt, um Becketts Herz zu erobern, ist vielleicht ein wenig ungewöhnlich, aber Finn hat nie behauptet, konventionell zu sein.

Beckett wusste schon sehr früh, dass er auf BDSM steht und ein Sub ist.

Doch als College-Professor für englische Literatur legt er großen Wert auf seine Privatsphäre und auch wenn sein Arbeitgeber Beziehungen zwischen Lehrkräften und Studenten billigt, kommt das für ihn nicht infrage.

Zumindest denkt er das, bis ein heimlicher Verehrer anfängt, ihm kleine Geschenke an die Bürotür zu hängen. Obwohl es ein leichtes wäre, die Identität seines Verehrers herauszufinden, ist Beckett nicht bereit, den nächsten Schritt zu tun. Denn was ist, wenn Mr. Unbekannt nicht damit klarkommt, dass der Privatmann Beckett ganz anders ist, als der konventionelle College-Professor?

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